Im Vollsuff können einem höchst seltsame Dinge passieren. Manche Menschen sollen plötzlich weiße Mäuse sehen, bei anderen queren rosa Elefanten die Straße. Und manchmal geht es auch recht realistisch ab, wie etwa bei einem gewissen Friseur, der zum Frühstück ein frisch gebackenes Brot in Hälften teilte und darin die Nase eines Kunden fand. War er versehentlich mit dem Rasiermesser abgerutscht?
Und was bitte sollte unser braver, wenn auch öfter zu tief ins Wodkaglas schauender Barbier mit der frisch gebackenen Nase anfangen? Man konnte ihm schließlich auf irgendwelche Spuren kommen, womöglich die Polizei ... Die Bekannten unseres Friseurs werden es ahnen: Im morgendlichen Kater vollführt der Mensch seltsame Dinge, um so eine Nase unauffällig loszuwerden. Schlau ist er ja. Er geht zur Isaaks-Brücke und hat einen Geistesblitz. Er blickte sich vor allem um; dann beugte er sich über das Geländer, als wolle er unter die Brücke schauen - ob da viel Fische schwömmen -, und schleuderte den Lappen mit der Nase verstohlen ins Wasser. Ihm war, als habe er zehn Pud auf einmal abgeworfen. Doch wäre er kaum derart erleichtert gewesen, wenn er noch alle Sinne zusammen gehabt hätte. Wer hätte schließlich gedacht, dass die Newa irgendwann in die Oos fließt und jene Nase ... in der Tat, sehr groß und schwer wog!
Anderswo in der Stadt vollführt ein anderer Mensch noch wunderlichere Dinge. Er ist nüchtern, aber seine Nase ist weg. Wo sie einst saß, prangt eine glatte Stelle ohne Narben, ohne jede Spur, dass sich hier einmal etwas im Gesicht befunden haben könnte. Kowaljow, so heißt unser nasenloser Zeitgenosse, hat schlechte Laune, denn er kann nicht flirten und sein Gesicht nicht zeigen. Er hält ein Taschentuch vors Nichts und betritt eine Konditorei, um sich im Spiegel zu betrachten. Schließlich ist das einigermaßen unglaublich, wenn einem über Nacht die Nase abhanden gekommen ist, ohne dass man mitsamt Riechorgan zu tief ins Glas geschaut hat.
Kowaljow kann es nicht fassen. Vor der Konditorei hält ein Wagen. Ein Herr in Uniform sprang, leicht gebückt, heraus und eilte die Treppe hinauf. Wie groß aber war das Erstaunen, ja das Entsetzen Kowaljows, als er die eigene Nase in ihm erkannte!



1 Kommentare:
Liebe Petra,
ach, d e s w e g e n war es letzten samstag so voll dort-wir kamen nicht mal in die Stadt hinein. Da waren sie also alle Nasengucken ...
Herzlichst
Christa
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